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NATO-Generalsekräter fällt auf Witzbolde rein

Sonntag, 12. Februar 2017 , von Freeman um 14:00

Die beiden Russen Vovan (Vladimir Kuznetsov) and Lexus (Alexei Stolyarov) bezeichnen ihre Form der Informationsbeschaffung als "Witzbold-Journalismus", denn statt nur sich als jemand anders am Telefon auszugeben und sich über das Opfer lustig zu machen, versuchen sie in der Rolle eines anderen, einmalige Informationen herauszufinden. So haben sie zum Beispiel sich als hochrangige ukrainische Offizielle ausgegeben und mit dem Anführer der Krim-Tataren am Telefon gesprochen, der die Blockade der Krim organisiert hatte. Er hat ihnen den Namen der Person verraten, die im November 2015 die Hochspannungsleitungen von der Ukraine zur Krim in die Luft gesprengt hatte. Das Paar hat dann diese Information an die Staatsanwaltschaft der Ukraine weitergegeben. "In unserem Geschäft muss man teils Journalist und teils Kundschafter sein. Selbstverständlich muss man auch einen Sinn für Humor haben", meint Kuznetsov.


Die Opfer von Vovan und Lexus politischen Streiche sind meistens Individuen, die gegen Russland eingestellt sind. Die beiden betonen aber, sie sind nur Patrioten, und obwohl sie die Politik von Putin unterstützen, arbeiten sie nicht für die Regierung und müssen die Kontaktdaten ihrer meistens sehr bekannten Opfer selber herausfinden oder mit Hilfe von "Freunden". So haben sie sich als "Präsident von Kirgistan" ausgegeben und mit Poroschenko verhandelt, oder mit dem Präsidenten von Weissrussland als "Sohn von Janukowitsch", oder mit Elton John als Repräsentant von "Präsident Putin".

Andere Personen mit denen sie unter falschen Namen telefoniert haben waren Klichko und Saakashvili, sowie mit US-General McNeeley.

Sie haben auch mit Erdogan am Telefon gesprochen und sich als Poroschenko ausgegeben. In dem Gespräch versicherte Erdogan dem "ukrainischen Präsidenten", er würde sehr gerne an einer Marine-Blockade der Krim teilnehmen und der Gruppe von Ländern beitreten, die unter den russischen Sanktionen leiden. Sie tauschten freundschaftliche Worte aus und versprachen gegenseitige Unterstützung der Mejlis-Organisation der Krimtataren, die gegen eine Wiedervereinigung mit Russland wäre. Abschliessend sagte Erdogan, er würde sich "niemals nie" bei Präsident Putin für den Abschuss der Su-24 entschuldigen.

Der Sprücheklopfer hat es aber dann doch getan.

Wie sie an die Telefonnummern der Staatsführer kommen, wollen sie nicht verraten, aber generell funktioniert das Ränkespiel wie folgt: Sie kommen an die oberste Position durch eine lange Kette an Leuten, indem sie ganz unten anfangen. Der kennt den, der wiederum den nächsten kennt und so weiter. "Es gibt Leute die bereits sind zu helfen", sagt Kuznetsov. Oder sie rufen einfach ganz frech im Büro an, melden sich unter dem falschen Namen und bitten darum, zur "wichtigen Person" durchgestellt zu werden. Meistens klappt es auch. Oder sie rufen an und bitten um Hilfe. So hat Saakashvili ihnen die Nummer von John McCain gegeben.

Es geht aber den beiden nicht darum, gezielt die Feinde Russlands zu kontaktieren, um sie auf den Arm zu nehmen, sondern es muss sich um etwas aktuelles und wichtiges handeln. Deshalb haben sie zum Beispiel im Herbst 2015 Elton John angerufen und sich als Pressesekretär von Präsident Putin gemeldet. "John hatte nämlich gesagt, er möchte gerne mit Putin über die Schwulen-Rechte sprechen, deshalb dachten wir, das wäre eine lustige Idee", sagte Kuznetsov. John war nämlich gerade aus der Ukraine zurückgekehrt, um dort für Schwulen-Rechte zu werben. Er bekundete dabei gegenüber der BBC diesen Wunsch.

Das interessante ist, der echte Wladimir Putin hat sich dann tatsächlich später bei Elton John gemeldet, nachdem der "falsche Anruf" bekannt wurde. Er hat sich für die beiden Witzbolde entschuldigt und Elton John zugesagt, er wäre gerne bereit ihn zu treffen, um jegliche Fragen die ihn beschäftigen zu diskutieren. Die beiden Spassvögel geniessen Narrenfreiheit, auch weil es in Russland nicht verboten ist, Spassanrufe unter einem anderen Namen zu tätigen. Nur wenn sie einem kriminellen Zweck dienen. Hier geht es aber um journalistische und politische Gründe.

Deshalb auch der neueste Anruf, wo sie sich wieder als ukrainischer Präsident Poroschenko ausgaben und ein Gespräch mit NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg führten, der nichts merkte und sehr aufschlussreiche Aussagen machte.

Im folgenden Interview werden Vovan und Lexus gefragt, warum sie auf die Idee gekommen sind, ihn im Namen von Poroschenko anzurufen? "Unser Lieblings-Präsident, die Karikatur, die ein 'souveränes Land' führt, hat schon oft gesagt, er möchte der NATO beitreten. Er behauptet, sie erwarten ihn mit offenen Armen. Also haben wir entschieden herauszufinden, ob das stimmt. Deshalb machten wir das Telefonat."

"Speziell die neuesten Ereignisse zeigen, er hat wahnhafte Vorstellungen über dieses Thema, denn er will ein landesweites Referendum über den Beitritt zur NATO abhalten, obwohl das Referendum irrelevant ist, da die NATO ihn gar nicht haben will."

Im Telefongespräch hat nämlich Stoltenberg auf die Frage der Witzbolde über einen Beitritt gesagt, die Ukraine wäre nicht bereit dafür und müsste noch sehr viele Reformen durchführen, das Rechtssystem, gegen die Korruption vorgehen, usw. Ausserdem müssen die 28 Mitgliedsländer einstimmig dazu ja sagen.

Dann kann laut NATO-Statuten sowieso kein Land neues Mitglied werden, dass in einem territorialem Streit sich befindet. Das heisst, um NATO-Mitglied zu werden, müsste das Putsch-Regime in Kiew auf die Krim verzichten und Frieden mit den Separatisten in Donbass schliessen.

Ist ja logisch, die wenigsten NATO-Länder wollen den Krieg übernehmen, wenn sie zum Beistand eines neuen Mitglied gezwungen werden.



Auf die Frage, ist es leicht im Namen von Poroschenko anzurufen, sagten die beiden: "Wir sprechen nicht nur in seinem Namen, er hat uns sprichwörtlich die Aussenpolitik der Ukraine überlassen. Es sind nicht die ersten Verhandlungen die wir führen. Wir haben mit mehreren Staatsführern gesprochen und sogar diplomatische Dokumente geschickt. Das sehr interessante dabei ist, der echte Poroschenko macht nicht solche Kontakte, wir müssen den Job erledigen. Und wenn wir wirklich von der ukrainischen Regierung angestellt wären, dann würden wir eine bessere Arbeit leisten als die aktuelle Führung."

"Er provoziert uns dazu es zu tun. Er prahlt ständig auf seiner Webseite, er würde 'Verhandlungen' über Telefon führen. Er hätte mit Donald Trump über voicemail 'verhandelt' usw. Deshalb wollen wir die Konversationen tatsächlich führen, die er vorgibt zu führen. Was wir dabei herausgefunden haben, Poroschenko hat gar keine echten Beziehungen zu anderen Staatsführern. Dadurch sind wir gezwungen seinen aussenpolitischen Lapsus zu korrigieren. Und offen gesagt, wir sind satt es zu tun! Und ich meine, der Präsident der Ukraine sollte wenigstens unsere Bemühungen schätzen ... und uns einer seiner lieblings-alkoholischen Getränke schenken."

"Zum Schluss glaube ich war der NATO-Generalsekretär erleichtert, dass 'Poroschenko' nicht mehr Geld forderte, um für die 'Antikorruptions-Reformen zu zahlen'".

Hier das Telefongespräch zwischen "Poroschenko" und Stoltenberg:



Stoltenberg sagte zu "Poroschenko", er müsse noch lange warten und man werde dann sehen, wenn alle Reformen durchgeführt wurden, irgendwann einmal. Das ist eine aufschlussreiche Aussage, die der NATO-Generalsekretär gegenüber den "Journalisten" gemacht hat und die Poroschenkos Behauptung völlig widerspricht.

Die Ukraine wird sehr lange nicht NATO-Mitglied werden können, genau wie auch nicht Mitglied der EU. Die Ukrainer wurden da in eine Falle gelockt, mit dem Versprechen, sehr bald im Westen aufgenommen zu werden. Das passiert aber in den nächsten 20 Jahren nicht.

Jetzt sind sie in einem sehr schlimmen Dilemma, denn nach Russland haben sie alle Brücken abgerissen und zu Europa werden keine neuen gebaut. Sie hängen in der Luft und sind sprichwörtlich am Arsch!

Was nicht zu fassen ist, wie leicht sich Jens Stoltenberg hat foppen lassen, denn er hat wirklich geglaubt, er spricht mit Poroschenko.

insgesamt 6 Kommentare:

  1. plutarch17 sagt:

    Das ist zwar eine gute Nachricht, dass die Ukraine nicht so schnell und überhaupt in die NATO und die EU aufgenommen wird, aber das Volk muss dafür mit Hunger und Leid bezahlen. Es wäre schön wenn die Drahtzieher hinter dem Maidan vor Gericht gestellt würden. Schadenersatz wäre auch angebracht, also Enteignung von Soros und seinen Auftraggebern.
    Aber es gäbe da noch viele Verbrecher im Westen die vor Gericht gehören würden. Ich denke, die Liste wäre extrem lange......

  1. Hallo Freeman,

    wenn Du in Deinem Kommentar "NATO-Generalsekretär fällt auf Witzbolde rein" nicht auch noch die beiden Videos verlinkt hättest, würde ich glauben, der würdest UNS mal wieder testen, und versuchen, uns eine Zeitungs-Ente zu verkaufen ;-)

    Wenn dies der Fall sein sollte, muss ich sagen, gute Arbeit. Ansonsten wäre dies echt der Hammer, wenn soetwas möglich ist!

    Viele Grüße von Frank, und macht weiter so! :-)

  1. nadann sagt:

    Korrekt, @plutarch, aber damit die Drahtzieher überhaupt zur Rechenschaft gezogen werden (und als das, was sie sind, - nämlich Verbrecher, wie Du richtig schreibst - bloßgestellt werden können), bedarf es couragierter Menschen wie eben Vovan und Lexus. Sehr gut, wie die beiden die selbsternannte "Elite" aufmischen! Möge es den Leuten eine Lehre sein, nicht auf die Sprüche der verlogenen Verbrecher in den Regierungsämtern der NATO-Staaten hereinzufallen. Prima Aktionen von Vovan und Lexus und witzig dazu.

  1. FxLegend sagt:

    Verdammt ist das Genial! Könnte man hier in Deutschland damit in den Knast kommen? Wäre doch mal lustig, wenn man sich mit Seibert oder Merkel über bestimmte Dinge unterhalten würde?
    Es müsste ja auch nicht schwer sein die Stimme von Merkel zu immitieren...

  1. Nichts ist offensichtlich unmöglich, es muß nur mit der entsprechenden Portion Dreistigkeit vorgetragen werden. Bestes Beispiel der Hauptmann von Köpenik.
    Die Eitelkeit mancher Menschen trägt zum Erfgolg derartiger Aktionen bei.
    Was mich nur wundert, wie scheinbar einfach man ohne Recherche des Anrufers soweit durchkommt.

  1. plutarch17 sagt:

    Der nächste Vollpfosten der auf die beiden Komiker reingefallen ist heißt Senator McCain!

    http://uncut-news.ch/2017/02/16/telefonmitschnitt-us-kriegstreiber-terror-senator-mccain-von-russischen-prankern-gelinkt/